Etna
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  Nachts leuchtet der Gipfel rot-orange und beleuchtet die Rauchwolke, die eigentlich immer dort oben schwebt. Manchmal bildet sich ein feiner Riss im Himmel, der kurz aufleuchtet, langsam wieder in sich zusam-menfällt und verschwindet. Dann hat der ETNA Lava aus einem seiner vielen Schlote ausgeworfen.

  Schon kurz nach der Ankunft auf Sizilien (wenn man vom italienischen Festland mit der Fähre übersetzt) und in Richtung Süden fährt, erscheint sehr bald der gigantische Kegel des mit 3300 Metern Höhe größten Vulkans Euro-pas, an dessen Fuß die Stadt Catania mit 370.000 Einwohnern liegt und die immer wieder Zeugin der Aktivitäten des ETNA wurde und heute noch wird.

  Wir entschieden und für einen Camping-platz ein Stück nördlich von Catania, von wo aus wir oft lange und wortlos auf den Gipfel starrten und uns vorzustellen ver-suchten, was dort oben passierte. Von Süden aus kann man mit dem Auto bis hinauf zum Refugio Sapienza auf 1927m fahren. Schon die Fahrt hinauf vermittelt einen Eindruck davon, dass es hier nicht immer so friedlich zugeht. Immer wieder passiert man halb verschüttete Häuser, fährt an Straßenstücken vorbei, die in einer teigig aussehenden schwarzen Masse verschwinden. Etliche solcher erstarrten Lavaströme findet man hier oben. Manche reichen bis zum Fuß des Vulkans hinunter, andere sind irgendwo stehengeblieben. Oben angekommen, ist die Ehrfurcht schnell dahin. Touristenbusse, Bars, Restaurants. Von hier aus fährt eine Seilbahn hinauf zur Bergstation La Montagnola auf 2500 Meter. Die meisten fahren von hier aus mit einem Geländebus weiter, staubige Serpentinen hinauf bis zum Fuß des Südostkraters.

  Auf dem Rückweg entschließen wir uns, vom Refugio aus zu Fuß den Vulkan zu be-steigen. Am nächsten Morgen sind wir die ersten am Refugio. Es ist schon jetzt heiß und wir ignorieren die Empfehlung des Reiseführers, warme Sachen mitzunehmen.

  Der Seilbahn folgend, machen wir schnell die Erfahrung, dass die Steigung größer ist als gedacht. Begleitet von einem Schwarm Flie-gen, die eine Vorliebe für Körperöffnungen aller Art zu haben scheinen, stapfen wir auf ange-deuteten Pfaden durch das schwarze Gelände. Von zwei Schritten nach oben rutscht man einen wieder zurück. Nach kurzer Zeit sind wir schweißgebadet. Vom Vulkan ist nicht viel zu sehen. Nur die permanente Rauchwolke schwebt irgendwo dort oben und dann...was war das?? Ein Knall, der widerhallt und so gänzlich anders klingt als ein Gewitterdonner. Diese explosionsartigen Eruptionen begleiten uns von nun an immer lauter werdend und häufiger.

  An der Bergstation angekommen stellen wir fest, dass es bedeutend kälter geworden ist. Immerhin befinden wir uns inzwischen auf ca. 2500m, es ist windig und wir schwitzen. Die ersten Seilbahnfahrer treffen ausgeruht und bestens gelaunt ein. Viele sind zünftiger gekleidet als wir und steigen mit schwer ge-packtem Picknickrucksack und in professio-nellen Wanderstiefeln in den ersten Bus, der laut knatternd in einer gigantischen Staub-wolke und hinter der nächsten Kurve ver-schwindet. Ich glaube in manchen Gesichtern ein mitleidiges Lächeln zu sehen.

  Es geht weiter hinauf, indem wir Serpen-tinen z.T. abkürzen und querfeldein laufen. Mir bleibt angesichts der dünnen Luft und der Anstrengung mitunter die Puste weg. Erste Schneefelder sind zu sehen und so langsam beginne ich zu ahnen, wie das mit der warmen Kleidung gemeint war. Zu allem Überfluß be-deckt die riesige Rauchwolke des Vulkans zunehmend die Sonne und es beginnt zu nieseln.

  Der Südostkrater liegt jetzt vor uns und meldet sich in regelmäßigen Abständen mit lautem Donner und peitschendem Knall. Sieht man genau hin, erkennt man manchmal größere Brocken durch die Luft fliegen. Pflanzen gibt es keine mehr, die Umgebung gleicht mehr und mehr einer Mondlandschaft. Endlich finden wir uns wieder in einer Menge von "Bussfahrern", die frisch und vergnüglich und mit warmen Pullovern der Kälte trotzen. Über unseren Köpfen schwebt eine bedrohlich wirkende Rauchwolke aus der heraus es ständig nieselt. Die Explosionen aus den unterschiedlichen Kratern sind jetzt unmit-telbar, Felsbrocken sieht man jetzt deutlich umherfliegen und manchmal schießen Fon-tänen in den Himmel, die am Tage jedoch kaum leuchten und deshalb etwas unscheinbar aussehen.

  Das ganze Gebiet ist weiträumig abge-sperrt. Der letzte erreichbare Punkt liegt gut 400m unterhalb des Gipfels. Aus Felsspalten steigt warmer Dampf auf, der gut dazu geeig-net ist, die klammen Finger zu wärmen. Nach einer Weile macht sich Ernüchterung breit. Die Explosionen sind das beeindruckendste. Für uns gibt der ETNA keine Geheimnisse preis. Daß das zu unserem eigenen Schutz ge-schieht, sagt nur die Vernunft. Die Neugier sagt: Schade!!

  Am Abend sitzen wir erschöpft vor unserem Zelt und schauen zum ETNA hinauf. Der Gipfel leuchtet rot-orange und beleuchtet die Rauchwolke, die eigentlich immer dort oben schwebt. Manchmal bildet sich ein feiner Riss im Himmel, der kurz aufleuchtet, langsam wieder in sich zusammenfällt und verschwin-det. Der Vulkan erwacht und beginnt seine Vorführung. Ich gebe mich der Vorführung hin, erahnt viele Geheimnisse und bin froh, dass ich sie nicht alle kenne.

(Weitere Informationen zum Etna und zu Stromboli gibt es hier)